Esoterik in

 


Wendezeit 1/01

Verborgene esoterische Weisheit in der Bibel

Howard Ray Carey

Howard Ray Carey (1902-1989) war über ein halbes Jahrhundert lang Geistlicher der Methodistenkirche. Mehr als 20 Jahre hat er spirituelle Brücken zwischen dem Christentum und den Lehren der Zeitlosen Weisheit gebaut. Während seiner aktiven Diensttätigkeit in einer südkalifornischen Gemeinde, kam er im Jahre 1967 mit der Zeitlosen Weisheit in Berührung. Er erkannte ihre universale und außerordentlich praxisnahe Botschaft und begann viele ihrer Prinzipien und Konzepte in seine Arbeit einzubeziehen. Als Leiter einer Studien- und Meditationsgruppe hat er zahllosen Gemeindemitgliedern und Studierenden geholfen, in ihrem persönlichen Leben einen neuen, geistigen Sinn zu finden.

Manche Menschen fragen sich: „Warum um Himmels willen findet sich in der christlichen Lehre nichts über esoterisches Wissen, Reinkarnation oder Ähnliches?" Oder anders: „Wo in der Bibel sind die verschlüsselten Wahrheiten? In welchen Texten verbergen sich die esoterischen Überlieferungen?"

Vielleicht sollte die erste Frage geringfügig umformuliert werden: „Warum hat die christliche Lehre keine eindeutige Information in Bezug auf esoterisches Wissen, einschließlich Reinkarnation, hervorgebracht?" Diese Frage kommt der Sache näher, denn die Bibel ist voller esoterischer Weisheit. Es ist jedoch ein gewisses Maß an Verständnis nötig, um diese zu entdecken, denn in allgemein zugänglicher Lektüre wurden esoterische Informationen in der Vergangenheit gewöhnlich durch exoterische und konkrete Beschreibungen verschleiert.

Wenn die tieferen symbolischen Bedeutungen in den biblischen Schriften unverschlüsselt mitgeteilt worden wären, ist es fraglich, ob die Bibel, besonders während der dunklen Zeitalter, überlebt hätte. Wahrscheinlich wäre sie vernichtet worden.

Es zeigt die Genialität der vielen Autoren, deren Werke später in der Bibel zusammengefasst wurden, dass ihre Texte auf mindestens drei verschiedenen Ebenen interpretierbar sind. Die erste Ebene ist natürlich wörtlich zu verstehen. Die zweite ist feinsinniger, aber unterliegt immer noch der Interpretation des konkreten Verstandes. Die dritte enthält eine esoterische Bedeutung.

Nehmen wir als Beispiel eines der bekanntesten und beliebtesten Gleichnisse Jesu, das des verlorenen Sohnes. (Lk 15,11-32). Wörtlich genommen könnte man es als eine Warnung vor den Gefahren verstehen, in die ein leichtsinniger Jugendlicher geraten kann, der alles bekommt, was er von seinem Vater fordert und dies für Drogen und Frauen verschwendet. Er endet gebrochen und als Schweinehirt (damals die äußerste Erniedrigung für einen Juden) und schleppt sich schließlich, dem Hungertod nahe, zu seinem Vater zurück.

Eine zweite, aber immer noch ziemlich konkrete Interpretation könnte aus der Sicht eines traditionellen Theologen folgende sein: Es ist die Jugend, die rebelliert und gegen die elterliche Autorität aufbegehrt. Der Jugendliche rutscht in ein zügelloses „sündiges" Leben ab. Aber noch vor seinem Tode erkennt er Christus, wird bekehrt, und damit vor der Hölle gerettet und vom Vater im Himmel (Gott) willkommen geheißen.

Die dritte Ebene der Interpretation, obwohl es noch andere Varianten geben mag, könnte so aussehen: Der Sohn, der das Zuhause verlässt und ferne Länder bereist, steht für die Seele oder das höhere Selbst auf der involutionären Spirale der Erfahrung und gerät schließlich an den tiefstmöglichen Punkt der Verstrickung in die Materie. In diesem „Schlamassel" entdeckt er letztendlich, dass die Annehmlichkeiten und Verlockungen des Materialismus ihn tief hungrig nach einem sinnerfüllten Leben zurücklassen. So entwickelt er Selbsterkenntnis und beginnt mit der langen Reise, durch viele Leben hindurch, zurück zu „des Vaters Haus" (der Monade), der Heimat der Seele.

In dieser Interpretation stellt der ältere Bruder die Deva- oder Engellinie der Evolution dar. Bedeutungsvoll erscheint uns dann auch das Schlusswort des Vaters: „... denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden." (Lk 15,32) Wir erkennen nun, dass der ungeratene Sohn jeden Einzelnen der menschlichen Rasse repräsentiert - und zwar an einem beliebigen Punkt des Weges: entweder auf der Reise in niedere Welten, um die animalische Natur zu nähren oder auf der langen Reise zurück nach Hause.

Wenn wir das 13.Kapitel von Matthäus lesen, erkennen wir die große Verwirrung der Jünger Jesu, weil er den neugierigen Massen Gleichnisse mit tief verborgenen Bedeutungen offenbarte. Als sie ihn fragten, warum er das tue, antwortete Jesus: „Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen." (Mt 13,13) So pflanzte er die kostbare Saat tief in ihr Leben, wohl erwägend und in der Hoffnung, dass diese eines Tages sprießen, wachsen, und wie er andeutete, „Körner hervorbringen würde, einige hundertfach, einige sechzigfach, einige dreißigfach." Zweifellos alles symbolisch bedeutungsvolle Zahlen.

Zu seinen Jüngern sagte Jesus: „Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören." (Mt 13,16) Wenn Sie und ich die Bibel lesen, sollten wir uns fragen: Wie weit ist unser esoterisches, das heißt „inneres" Sehen und Hören entwickelt?

Der Theosoph Geoffrey Hodson gibt in seinem Buch The Hidden Wisdom in the Holy Bible ausgezeichnete Hinweise bezüglich der symbolischen Bedeutungen in der Bibel. Er schlägt vor, in den vielen biblischen Texten nicht nach geschichtlichen Informationen zu suchen, sondern sie in Beziehung zu Ereignissen in unserem Leben zu setzen.

In Markus 4,35-41 finden wir zum Beispiel die Erzählung von Jesus und seinen Jüngern, die auf dem See von Galiläa in einen schweren Sturm geraten. Das Boot droht zu sinken. Daraufhin geraten die Jünger in Panik und wecken Jesus, der währenddessen im hinteren Teil des Bootes schläft. Er fragt sie: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr keinen Glauben?" Es wird berichtet, dass er sowohl den See als auch seine Jünger durch sein Wort beruhigte. Die Befürworter der historischen Betrachtungsweise streiten sich hier, ob es sich bei dem ruhiger werdenden Wasser um ein natürliches Phänomen handelte oder ob Jesus übernatürliche Kräfte benutzte, um die wütenden Wogen zu glätten.

Versuchen wir nun auch hier nach der wichtigen verborgenen Bedeutung zu forschen und diese mit unserem Inneren in Beziehung zu setzen. Stellen Sie sich vor, dass das Wasser das Meer des Lebens darstellt, über das wir unsere Lebensreise machen. Das Boot symbolisiert unser niederes Selbst oder den Körper; der wütende Sturm den emotionalen Aufruhr, in den wir geraten können und die Jünger stehen für die vielen Aspekte unseres Bewusstseins. Der wichtigste Passagier in unserem Boot &endash; unserem Leben - ist Christus in uns. Warum also warten bis wir in eine Krise geraten, anstatt bereits jetzt das Christusbewusstsein zu erwecken? Wenn dieses Bewusstsein erst einmal in uns erwacht ist, vermag es die brandenden Wogen unserer Emotionen zu beruhigen - mitsamt den Ängsten, die durch die bedrohlichen Stürme des Lebens aufgerufen werden!

Der Eingeweihte Paulus gibt viele Hinweise auf diese verborgene Weisheit. In einem Brief an die Korinther schreibt er: „Milch gab ich euch zu trinken statt fester Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht." (1Kor 3,2) „Und doch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen ... Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung ... was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes." (1Kor 2,6-7, 9-10) In dem Brief an die Thessaloniker (5,23) erwähnt Paulus übrigens auch, was der Meister D.K.*) unsere drei vorübergehenden Träger nennt: Geist, Seele und Körper.

In seinem zweiten Brief an die Korinther bezieht sich Paulus sowohl auf außerkörperliche Erfahrungen, als auch auf die dritte Ebene des himmlischen oder inneren Lebens: „Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es ... Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann." (2Kor 12,2-4) Beachten Sie, dass es hier um innere Wahrheiten geht, die zu esoterisch sind, um niedergeschrieben oder mündlich weitergegeben zu werden.

In der Jerusalemer Bibelübersetzung, die ich für genauer als die meisten anderen Übersetzungen halte, berichtet Paulus von seinem persönlichen Einweihungserlebnis: „Nicht als wollte ich über Mangel klagen; ich habe nämlich gelernt, mich mit meiner Lage abzufinden. Ich weiß arm zu sein, und ich weiß reich zu sein. In alles und jedes bin ich eingeweiht, ins Sattsein und Hungerleiden, ins Reichsein und Mangelhaben."(Phil 4,11-13) Es würde weit über den Umfang dieses Buches hinausgehen, die vielen esoterischen Hinweise, die in der Bibel gefunden werden können, im Detail darzulegen. Lassen Sie mich hier nur kurz einige anführen: zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte in der Genesis mit den inneren Bedeutungen von Adam und Eva als den männlichen und weiblichen Prinzipien unserer Persönlichkeit; der Garten Eden, der für die Erfahrung steht, die jedes Kind in seinen frühesten Jahren wiederholt; weiter die symbolische Bedeutung der Schlange und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, die Frucht vom Baum des Lebens und natürlich auch der unentwickelte Mensch, der aus dem paradiesischen Garten Eden vertrieben wurde, so wie jedes Kind die frühe Kindheit hinter sich lassen muss.

Weitere Hinweise finden wir in der Geschichte von Noah, der Arche und der Sintflut (die Atlantis zerstört hat). Erinnern wir uns auch daran, dass Abraham von Engeln besucht wurde. Abraham, der den Zins oder den Zehnten an Melchisedek zahlt, den König von Salem (Frieden) &endash; Priester des allerhöchsten Gottes &endash;, von dem berichtet wird, „weder einen Anfang der Tage noch ein Ende des Lebens zu haben, sondern wie der Sohn Gottes gemacht zu sein" [offensichtlich ein Avatar &emdash; H.R.Carey].

Denken Sie an Elija, der mit seinen übernatürlichen Kräften Feuer vom „Himmel" herabruft, damit es das wassergetränkte Holz und auch das Opfer auf dem Altar verzehre. In einem anderen Gleichnis versteckte sich Elija in einer Höhle, weil er allein gelassen worden war, so wie uns dies auch manchmal geschieht. Dann hörte er in seinem Inneren die leise Stimme Gottes, die ihn aufforderte, trotz Sturm und Erdbeben herauszukommen. Später entgeht derselbe Prophet dem gewöhnlichen Todesprozess, indem er in einem Feuerwagen in den Himmel auffährt.

Auf Elija folgt Elischa, der den König von Israel durch seine telepatischen und hellsichtigen Kräfte vor dem Untergang rettet. Auch er bringt durch seine Weisheit die Untergrundkämpfe jener Zeit zu einem Ende. Denken Sie an Schadrach, Meschach und Abed-Nego, die in den siebenfach überhitzten Schmelzofen geworfen wurden. Müssen wir nicht alle durchs Feuer gehen, wenn wir uns auf die Initiation vorbereiten? In dem feurigen Schmelzofen wird neben den Dreien noch ein viertes Wesen gesehen, das „mitten in den Flammen geht". So kamen sie unverletzt heraus und „nicht einmal Brandgeruch haftete ihnen an". (Dan 3,94) Können auch wir unsere Prüfungen durchstehen, ohne dass das Feuer, durch das wir hindurchgehen, irgendwelche Spuren hinterlässt?

Was ist mit der Jungfrau Maria, die nicht von Josef, der den rationalen Verstand darstellt, sondern vom Geist geschwängert wurde? Und ist nicht Herodes der symbolische Herrscher über das niedere Selbst, der danach trachtet, den neugeborenen Christus zu töten? Genauso strebt auch der „Herodes" in uns danach, das erwachende Christusbewusstsein zu zerstören, denn das niedere Selbst kämpft stets ängstlich und eifersüchtig um sein Herrschaftsgebiet.

Nicht zu vergessen den wichtigsten esoterischen Bericht in der Bibel: Jesu Kreuzigung und seine Auferstehung aus dem Grab. Ist dies nicht die Erfahrung, durch die wir selbst auch gehen müssen: Tod und Wiedergeburt auf höheren Ebenen? Diese und andere esoterische Schätze sind in der Bibel zu finden.

Obwohl wir über die große Anzahl esoterischer Fakten, die in der Bibel zu finden sind, aus Platzgründen nicht berichten können, sollten wir an dieser Stelle dennoch ein Wort über die Reinkarnation sagen. Im elften Kapitel von Matthäus sprach Jesus: „Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er." (Mt 11,11) Beachten wir, dass wir mit unserer körperlichen Geburt noch keine spirituelle Geburt - die erste Einweihung - erlangt haben. Denn nur die Geringsten im Königreich des Himmels - dem fünften Reich &endash; haben sich der ersten Einweihung bereits unterzogen. Zwei Verse weiter beteuert Jesus: „Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat, der höre."

In dem Bericht von der Verklärung in Matthäus 17 (ein symbolisches Porträt der dritten Einweihung) finden wir einen weiteren Hinweis auf Johannes den Täufer als Elija: „Da fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? Er gab zur Antwort: Ja ... Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt ... Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach." (Mt 17,10-13)

In der Offenbarung 3,12 lesen wir: „Wer siegt, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen und er wird immer darin bleiben." Wir können daher sagen, dass ein Mensch vollkommen ist, der all sein Karma abgearbeitet hat und keine weitere Inkarnation mehr benötigt.

Wenn wir also die Bibel lesen, sollten wir sie mit offenen Augen und innerem Verstehen lesen. Dann, so sagt uns Christus, werden wir eine kostbare Perle finden. Sobald wir die innere Bedeutung dieser Worte erfassen, werden wir auch bereit sein, alle unsere bisher angesammelten Schätze für dieses eine große Juwel aufzugeben! Sind wir bereit?

* Djwhal Khul (D.K.) ist ein tibetischer Meister, der seine Lehren durch Alice A. Bailey vermittelte.

Aus dem Buch: Howard Ray Carey / Verborgene Weisheit der Bibel. Von den Gleichnissen und anderen biblischen Erzählungen bis zur Wiederkehr Christi. September 2000, ISBN 3-9806579-1-4, 230 Seiten. Erschienen im neue aspekte verlag / München.



Wassermann-Zeitalter Nr. 4/99

Zeitreisen des Bewusstseins

Ernst Meckelburg

Eine gewaltige Explosion erschütterte die Stadt; sie löste ein unbeschreibliches Chaos aus. Vernichtung in höchster Potenz &endash; der Overkill. Und ich befand mich mitten in diesem Inferno, in dieser Gluthölle, umgeben von einem Flammenmeer, aus dem es kein Entrinnen gab. Weit und breit keine Fluchtinsel. Weltuntergang.

Ich habe ihn erlebt &endash; so realistisch, wie man die ultimate Katastrophe eben nur selbst erleben kann. Mein erster Gedanke: Jetzt haben d i e (wer immer dies auch sein sollte) es endlich fertiggebracht, die Erde mit allem, was auf ihr lebt, was je auf ihr geschaffen wurde, in die Luft zu jagen. Oder war es gar ein galaktischer Holocaust? Hatten Wahnsinnige durch unverantwortliches Experimentieren mit schwer zu beherrschenden Kräften eine Art Supernova ausgelöst?

Überleben im Geistkörper

Ich dachte und empfand. Ergo lebte ich noch, obwohl die an mir hochzüngelnden Flammen meinen materiellen Körper schon längst verzehrt haben mußten. Offenbar hatte sich mein Bewußtsein - mein eigentliches „Ich" - vom Körper ganz gelöst und in eine höhere, unzerstörbare Existenzebene hinübergerettet. Ich war tot und lebte dennoch - ein „Untoter", eine Art feinstofflicher Zombie.

Plötzlich wurde mir bewußt: Dies alles war nur ein Traum - ein schrecklicher Traum, der einem das Grauen lehren konnte. Aber diese Explosion? Ich hatte sie so erschreckend realistisch, so niederschmetternd brutal empfunden, daß ich heute noch nicht begreife, wie man so etwas träumen kann. Hatte ich etwa in unsere eigene irdische Zukunft geschaut oder dies in einer anderen Realität, in einer Parallel-"Ausgabe" der Erde, des Sonnensystems oder gar des Universums mit einem Schlag vernichtet worden?

Es war Donnerstag der 10. September 1992, 04.30 Uhr früh. Eine halbe Stunde nach diesem aufregenden Traumerlebnis konnte ich wieder klare Gedanken fassen und das „Vorgefallene" protokollieren.

Mein körperliches „Ich" in der Realität des Weltuntergangs gab es jetzt wohl nicht mehr. Doch mein geistiges, feinstoffliches Double - mein Bewußtsein - existierte immer noch. Die Superexplosion muß es in unsere vierdimensionale Welt zurückgeschleudert haben - zurück in die irdische Gegenwart, in meinen hier unversehrten grobstofflichen Körper.

Mein jüngstes Erlebnis könnte bedeuten daß wir, wie viele Physiktheoretiker schon seit langem vermuten, in unendlich vielen parallelen Welten gleichzeitig existieren. Was aber ist dann „Leben", was „Welt" und „Zeit"?

Der österreichische Journalist und Buchautor Gerhard Steinhäuser erwähnt in einem seiner Bücher die Geschichte eines biederen bayrischen Dorfschmieds, der in mehreren aufeinanderfolgenden Wahrträumen seine frühere Existenz als Raubritter mit- bzw. nacherlebt haben will. Die von ihm als sehr realistisch empfundenen Traumerlebnisse führten ihn schließlich zu der Burg, von der aus er seine Raubzüge unternommen hatte. In Chroniken aus jener Zeit fand er seine Träume, seine Zweitexistenz selbst in Details bestätigt. Leben scheint somit nichts Einmaliges und Tod nichts Endgültiges zu sein. Unser Bewußtsein ist anpassungsfähig, vermag offenbar zu unterschiedlichen Zeiten gleichzeitig zu operieren. Steinhäuser nannte solche Mehrfachexistenzen Zeitvarianten.

Der Amerikaner Philip K. Dick (1928-1982), ein profilierter Romanschriftsteller, behauptete von sich, über einen Zeitraum von zwölf Monaten gleichzeitig in zwei „Welten" gelebt zu haben. Seine Doppelexistenz begann im Februar 1974, als er eines Tages an heftigen Zahnschmerzen litt und sich von einer Apotheke Schmerztabletten schicken ließ.

Die Überbringerin der Tabletten trug ein goldenes Amulett am Hals - ein Fischmotiv christlicher Symbolik. Dieses blendete ihn und versetzte ihn in einen tranceartigen Zustand, in dem er sich augenblicklich in eine frühere Existenz zurückversetzt fühlte, genaugenommen ins Jahr 45 n.Chr. Seine damalige Persönlichkeit schien im Jahre 1974 zu neuem Leben erwacht zu sein. Für Dick überlagerten sich Gegenwart und Vergangenheit - ein geradezu schizophrener Zustand, der sich auf seine schriftstellerischen Aktivitäten sogar positiv auszuwirken schien. So will er einmal als einer der „ersten Christen" in Roms Katakomben von Wächtern gewürgt worden sein. Das Merkwürdige hieran: Als Fünfjähriger litt Dick häufig unter starken Schluckbeschwerden, was ihn an den Rand einer Unterernährung führte. Es ist nicht auszuschließen, daß zwischen Dicks Kindheitsbeschwerden und seinen „frühchristlichen Erfahrungen" Zusammenhänge bestehen. Denn: Von einer höherdimensionalen Warte aus schrumpfen zeitliche „Abstände" gegen Null, herrscht in gewissem Sinne Gleichzeitigkeit.

Mehrfachpersönlichkeiten als Beweis?

Nach der von Physiktheoretikern hofierten Parallelwelt-Konzeption könnten wir alle solche Zeitvarianten sein. Und keiner dieser durch die Zeit vagabundierenden Existenzen wüßte von der anderen.

Psychiater haben herausgefunden, daß unser Bewußtsein „teilungsfähig" ist, daß es aus mehreren Einzelpersönlichkeiten, sogenannten multiplen Persönlichkeiten, bestehen kann, die, jede für sich, über unterschiedliche psychische und sogar physiologische Charakteristika verfügt.

An einem Schwerverbrecher, mit dem amerikanische Psychiater längere Zeit „experimentieren" konnten, hat man bis zu zwanzig Einzel- oder Unterpersönlichkeiten festgestellt. Allergien, die sich in einem seiner Persönlichkeitszustände ganz erheblich bemerkbar machten, traten in einer anderen, durch Hypnose hervorgelockten Unterpersönlichkeit, erst gar nicht auf.

Da Bewußtsein aufgrund seiner nichtphysikalischen Beschaffenheit raum- und zeitungebunden ist, wäre es nur allzu verständlich, wenn sich diese autonomen Persönlichkeitskerne verselbständigen und in anderen, parallelen Realitäten / Zeitperioden) andere Leben führten.

Zeitloses Bewußtsein

In der Welt unserer Vorstellungen spielen Raum und Zeit keine Rolle. Jeder kann sich mit seinen Gedanken, seinem Bewußtsein, augenblicklich in vergangene oder fiktive zukünftige Zeiten und Realitäten, an jeden beliebigen Ort in unserem Universum versetzen, sofern er eine Vorstellung von diesem hat. Und im Zustand des Verweilens in einer jener unendlich vielen immateriellen Welten - im Traum, in Trance oder Meditation - können sich dort wenige irdische Sekunden zu Tagen und Wochen und mehr ausweiten. Das Bewußtsein eines in der Zeit Versetzten wird den Ablauf der Ereignisse ganz real erleben, so wie ein College-Student, der im Jahre 1975 beim Überqueren der „Golden Gate"-Brücke in San Francisco (s. Abb.) plötzlich in einen tranceartigen Zustand verfiel und das Schicksal eines ihm völlig fremden Menschen, eines japanischen Mönches, vor Hunderten von Jahren - teils als unmittelbar Beteiligter, teils „gerafft" als Beobachter -, erlebte: „Ich hatte das Gefühl, daß mein ganzer Körper bebte. Die Trägerkonstruktion der Brücke verblaßte, schien nicht länger aus Metall zu bestehen. Da war nur ein alter Holzsteg. Erstaunt stellte ich fest, daß ich Sandalen trug und einen langen ockerfarbenen Umhang. In der einen Hand führte ich einen hölzernen Stab mit mir, während ich gemächlich über den Steg schritt.

Ich hatte das Empfinden, im fortgeschrittenen Alter zu sein. Mitten auf dem Steg blieb ich stehen und ließ meinen Blick über die Reisfelder schweifen… Während ich da so stand, versetzte ich mich in tiefe Meditation. Ich hatte das Empfinden, daß die unter mir dahinfließenden Wasser auch in mir flossen. Mein materieller Körper schien sich aufzulösen, und in den Tiefen meines Seins spürte ich das Wirken des Göttlichen. Schließlich kehrte ich ins Kloster zurück. Meine Zelle war sehr eng und einfach ausgestattet. Da eine Matte zum Schlafen, dort ein Holztischchen zum Schreiben, mit Feder und Tinte. Im Winkel gegen Osten hin stand am Fenster ein kleiner Tisch für meine Meditation.

Vor meinen Augen spielten sich wichtige Szenen aus meinem Leben ab. Ich sah meine Eltern und erlebte meine Kindheit einen Provinz im Süden Japans. Ich war Zeuge meiner Weihe als junger Mönch bei den Roshi. Ich durchlebte meine Jahre der Meditation im Kloster, und ich sah auch, wie ich dieses verließ und in die Welt hinausging. Ich verliebte mich in ein hübsches Mädchen, mit dem ich einige Jahre verbrachte. Wir wohnten an einem Fluß, der wie Musik in unseren Ohren klang, wenn die Strömung das Wasser über die Steine spülte… Ich erlebte den schmerzlichen Tod meiner Frau und meine Rückkehr ins Kloster. Und dann bemerkte ich plötzlich, daß all die Jahre, die ich seit damals mit Meditation und damit verbracht hatte, anderen den Weg des Zen zu lehren, als Vorbereitung für diesen einen Tag dienten. Heute war der Tag, an dem ich aus dieser in die andere Welt hinübergehen würde. Die Vision zuvor auf dem Steg sollte mir meinen bevorstehenden Tod ankündigen.

(Szenenwechsel; das Bewußtsein kehrt in die Realität des Studenten zurück:) Das Traumbild verblaßte, und ich fand mich wieder in die Gegenwart zurückversetzt. Irgendwie hatte ich während der Vision wieder Schritt gefaßt, und näherte mich nun dem anderen Ende der „Golden Gate". Ich hatte das Gefühl, tagelang woanders gewesen zu sein. In Wirklichkeit hatte das Ganze aber nur ein paar flüchtige Sekunden gedauert."

Zeit in veränderten Bewußtseinszuständen

Die Einflußnahme des Bewußtseins auf die Zeit, seine Unabhängigkeit von den Vorgängen in unserem vierdimensionalen Universum, ist aus gewissen lebhaften Traumerlebnissen klar erkennbar. Manche Eskapaden des Bewußtseins im offenbar zeitneutralen Traumzustand vermittelt den Eindruck, als ob unsere Bewegungen in der Zeit immer langsamer oder gar erstarren würden. Wir glauben dann zu schweben, uns zeitlupenartig fortzubewegen - von den Fesseln der Zeit befreit zu sein. Träumen bedeutet demnach das Abkoppeln des Bewußtseins vom zeitabhängigen, materiellen Leib, das Dahingleiten in einer Welt, in der die Kausalität - das Ursache-Wirkungs-Prinzip - aufgehoben zu sein scheint. In diesem Zustand bewegen wir uns durch die gesamte Raumzeit, durch alle Vergangenheiten, Zukünfte und Möglichkeiten. Jeder Traum bedeutet die Wahrnehmung einer anderen Realität, die gleichzeitig mit der unsrigen existiert. Im wachen Zustand erscheint die Zeit fest und unnachgiebig. Wir sehen in ihr eine unüberwindliche Barriere, einen Ordnungs- und Stabilisierungsfaktor. Ihr „Jetzt" trennt das „Vorher" vom „Nachher", verhindert willkürliche Vor- und Rückwärtsbewegungen und sorgt dafür, daß die Kausalität in unserer Welt im großen und ganzen gewahrt bleibt. Aufgrund der unauflösbaren Verflochtenheit von Raum und Zeit, die in der Vierdimensionalität unseres Universums wurzelt, besteht wenig Hoffnung, daß wir unsere einseitige, jetztbezogene Vorstellung vom Wesen der Zeit schon in allernächster Zeit korrigieren werden. Dies gilt natürlich nicht für veränderte Bewußtseinszustände, wie man sie im Schlaf, in Trance, unter dem Einfluß von Narkotika oder bei bestimmte psychischen Störungen erlebt. Unter diesen Bedingungen kommt es immer wieder zu einer subjektiven Beschleunigung oder Verlangsamung von Erlebnisabläufen, zu Fehleinschätzungen und damit zu einer indirekten Überwindung der Zeitbarriere.

Besuche in Parallelwelten

Daß wir aufgrund der raumzeitlichen Ungebundenheit unseres Bewußtseins auch parallel zu unserem Universum existierende Welten besuchen können, daß wir in diesem Zustand vielleicht Erlebnisse haben, die sich in einer für uns in Wirklichkeit nie real werdenden Zukunft oder in einer nicht real gewordenen Vergangenheit abspielen, erscheint gar nicht so abwegig. Manche Träume wirken aufgrund ihrer Intensität und Plastizität wesentlich realer als unsere gewohnte, alltägliche Realität. Schon deshalb sollten wir die Möglichkeiten unseres Bewußtseins nicht unterschätzen und krasse Unterscheidungen zwischen „real" und „irreal" (virtuell) möglichst vermeiden.

Während seiner nächtlichen Exkursionen vollbringt unser Unbewußtes oft erstaunliche Zusatzleistungen paranormaler Art. Es erfaßt auf seinem Weg durch die zeit im voraus so manches Geschehen, das später tatsächlich eintritt. Die Formen, in denen sich Hellsehen (sogenannte Fernwahrnehmung) und Präkognition (Vorauswissen) dem Träumenden darbieten - ob symbolisch-versteckt oder dem späteren Geschehen auch in Details entsprechend - sollte kein Wertmaßstab sein. Was zählt, ist allein die Tatsache, daß durch die nachgewiesene Existenz der Präkognition die Zeitunabhängigkeit unseres Bewußtseins, sein akausales Verhalten bewiesen wird. Und nicht nur das allein. Wenn wir heute schon von Ereignissen Kenntnis erhalten, die erst viel später eintreten, dann müssen auch die Zeitpunkte, zu denen diese Ereignisse stattfinden „werden", bereits irgendwo und irgendwie real sein. Daraus ließe sich folgern, daß alle vergangene und zukünftigen Ereignisse in der Zeit nebeneinander existieren, daß alles gleichzeitig geschieht oder ist. Der Vergleich mit der Anordnung von Zwiebelschalen in einer Superzwiebel drängt sich auf. Jede der Schalen wäre eine unabhängige, parallele Welt, eine Realität für sich. Alles wäre demnach von einer höheren Warte aus gespeichert oder vorprogrammiert wie auf Disketten, die unsere Computer mit „Leben" erfüllen.

Der bekannte amerikanische Psychologe Lawrence LeShan meinte einmal, daß man mit seinem Bewußtsein nichts als Prozesse wahrnehme, ja, daß dieses selbst „in Form eines Prozesses existiere. Ähnlich definiert der ehemalige NASA-Mitarbeiter und Buchautor Jacques Vallée Bewußtsein als „einen Prozeß, durch den informationelle Vorstellungen beschafft und querverbunden werden." Er ist der Auffassung, daß die Illusion von Raum und Zeit nur Nebeneffekte des Bewußtseins sind, wenn dieses zwischen besagten Vorstellungen vermittelt.

Nichtmeßbare Qualitäten wie das Bewußtsein lassen sich in unserer 3D-Welt nicht lokalisieren. Daher erscheint es unzulässig und geradezu unsinnig, den „Sinn des Bewußtseins" im Gehirn zu vermuten - ein Faktum, mit dem sich die meisten von uns - voran die Mediziner - auch heute noch schwertun.

Wendezeit

 

Wassermann-Zeitalter Nr. 2/99

Ist ein Vorauswissen der Zukunft gut?

Hell- und Schwarzseher haben Hochkonjunktur

Rudolf Passian

Den meisten von uns dünkt: Ein Vorauswissen der Zukunft, zumindest der nächsten, wäre zweifellos von Vorteil. Man könnte sich darauf einstellen und versuchen, Gefahren vorzubeugen, soweit es sich nicht um unabwendbares Schicksalsgeschehen handelt. Was letztes anbelangt, so ist es gewiß besser, wenn uns die Zukunft verborgen bleibt; denn wer könnte wohl noch unbeschwert glücklich sein, wenn man bis ins Letzte wüßte, was einem bevorsteht?

Denken wir nur an die zahllosen gräßlichen Kriegsschicksale. Wie hätten die Betreffenden reagiert, wenn sie es vorausgewußt hätten? Beispielsweise jene rund 2000 jungen deutschen Arbeitsdienstmaiden, die im Raum Stettin von Siegern (im Februar 1945, und in zigtausenden anderen Fällen war es ähnlich!) auf kaum vorstellbar bestialische Weise (Abschneiden der Brüste, Verstümmelung der Schamteile) regelrecht abgeschlachtet wurden?

Wir sollten vielmehr dankbar sein und es als göttliche Gnade empfinden, wenn uns die Zukunft verhüllt bleibt. Dasselbe gilt auch für unser vorgeburtliches Dasein, denn wir kommen ja nicht als „unbeschriebenes Blatt" auf diese Welt. Wir wären wohl kaum imstande, unseren gegenwärtigen Aufgaben gerecht zu werden, ja würden unter der seelischen Belastung zusammenbrechen, wenn unserem Bewußtsein keine Grenzen gesetzt wären. Deshalb gilt für Menschen, die sich mit Hilfe eines „Reinkarnations-Therapeuten" in angeblich frühere Leben zurückführen lassen wollen: Hände weg davon!

Im Hinblick auf unser Thema sei im folgenden eine Merkwürdigkeit aus dem Bereich der religiösen Prophetie kurz beleuchtet, betreffend

die Wiederkunft Christi.

Seit langem wird sie prophezeit, und zwar nicht bloß aus den Reihen der Christenheit.

In Bezug auf die Endzeit heißt es bekanntlich im 24. Kapitel des Matthäus-Evangeliums: „Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: 'Ich bin Christus' und werden viele verführen". Und: „So alsdann jemand zu euch wird sagen: 'Siehe, hier ist Christus oder da', so sollt ihr's nicht glauben. Denn es werden viele falsche Christi und Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführet werden in den Irrtum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. - Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt."

Schon im 18. Jahrhundert hatte sich ein getaufter ukrainischer Jude namens Jankiew Lejbowitsch, der sich Jakob Frank nannte, als wiedergekommener Christus verehren lassen. Er wurde Oberhaupt der Sabbatianer (Sabbatai Zvi). Nach seiner Festungshaft in Tschenstochau von 1760 bis 1773 lebte er ab 1786 in Offenbach und starb am 10.12.1791. „Frankisten" gab es danach noch in Polen, Rumänien und in der Türkei.

Im nun zu Ende gehenden Jahrhundert verstärkte sich das Auftreten angeblicher Messiasse enorm. Derzeit ist für manche Inder Meher Baba „der neue Messias", für andere wiederum ist es Sai Baba. Gleichzeitig wird über das „exklusive Medium des Meisters der Orthon-Botschaften" (in „Die Stimme von oben. Offenbarungen für die Menschen der Endzeit") verkündet, das zweite Kommen Christi würde schon bald im Rahmen einer

Ufo-Rettungsaktion

erfolgen. Im vorgenannten Buch heißt es hierzu: „Wir haben die Macht auf der Erde übernommen. Wir werden in allernächster Zukunft diejenigen sein, die alles bestimmen."

Auch in den Verlautbarungen „End-Zeit 1990-1999" und im „Aufruf an die Erdbewohner" wird mit der Evakuierung durch UFOs gelockt. Hier stellt sich der

„wiederkommende Christus" als „Lord Sananda" vor. Dieser erklärt: „Ich habe viele Namen. Ihr kennt mich unter dem Namen Jesus, andere unter dem Namen Buddha, wieder andere unter Orthon oder Sananda. Doch immer bin ich die gleiche Wesenheit." Es heißt dann weiter, „Jesus-Sananda" habe „das höchste Bewußtsein allen Lebens erreicht" und werde nun wiederkommen, „um Sein Werk, das Er vor rund 2000 Jahren begonnen hat, zu beenden. Erst dann wird Er diese Erde Seinem Nachfolger übergeben und endgültig zum Vater aufsteigen".

Das Ganze wird geschickt mit Bibelstellen garniert und in zehntausenden Exemplaren verbreitet. Offenbar finden sich leicht Gutgläubige, die so etwas finanzieren und meinen, ihren Mitmenschen damit einen Dienst zu erweisen.

Merkwürdigerweise scheint dieser „Lord Jesus-Sananda" nichts von seiner noch weit stärker propagierten Konkurrenz, dem

„Maitreya-Christus"

des Briten Benjamin Creme zu wissen. Der steht nämlich seit langem bereit. Am 10.11.1977 ließ jener „Christus" erklären: „Alle, die nach mir ausschauen wie nach meinem geliebten Jünger, den Meister Jesus (sic!), werden seine Eigenschaften in mir finden". Selbstverständlich wird auch hier die Lösung aller Menschheitsprobleme in Aussicht gestellt. Die Veranstaltungen des rührigen Propheten Benjamin Creme sind überfüllt…

In meinem Nachschlagwerk „Licht und Schatten der Esoterik" (Knaur-Verlag, Taschenbuch Nr. 4266) wagte ich es, einige dieser unverfrorenen Christusse sowie Gruppen kritisch zu beleuchten, die so selbstsicher ein herrliches neues Zeitalter versprechen. Bis jetzt war es freilich eher so, daß diejenigen, die uns ein Paradies auf Erden versprachen, in Wahrheit die Hölle brachten (siehe Karl Marx, auf dessen Konto rund 100 Millionen Tote gehen).

Als vernunftbegabter Mensch muß man vor allem über drei Tatsachen staunen: Erstens, wie leichtgläubig durchaus intelligente Menschen sein können. Zweitens, mit welch ausgeklügelter Raffinesse es die Handlanger Satans verstehen, auf allen Lebensgebieten ihren verderblichen Einfluß geltend zu machen, und drittes, daß man aus der Geschichte menschlichen Macht- und Profitstrebens, insonderheit aus dem Elend zweier Weltkriege, absolut nichts lernen will! Ist die Menschheit hoffnungslos schizophren? - Man möchte es meinen.

Eine die Grenze zur Dummheit überschreitende Gutgläubigkeit vieler Leute zeigt sich auch im Zusammenhang mit der

Endzeitprophetie.

Im Mittelalter erwartete man das Weltende im Jahre 1000. Das führte zu unglaublichen Entgleisungen und Sinnlosigkeiten in jenem Jahre. Angsterfüllt nutzte man die verbleibende Zeit entweder zu hemmungslosem Lebensgenuß oder zur religiösen Buße oder zur Rache, je nachdem. Als dann aber die Welt im Jahre 1001 immer noch bestand, kam es zu tollsten Zuständen, denn viele hatten ihr Eigentum veräußert, vernichtet oder einem Kloster übergeben.

Auch späterhin kam es zu Weltuntergangspsychosen. Die Mönche des Klosters Lehnin bei Potsdam zum Beispiel ließen Schiffszimmerleute kommen und sich von ihnen eine riesige „Arche Noah" bauen, um den Weltuntergang zu überleben.

Einen solchen verkündete auch, in Wittenberg zur Zeit Luthers, ein Pastor namens Stiefel. Zweimal hatte er den Weltuntergangstermin schon geändert, aber nun sollte es endgültig passieren. Der Bürgermeister allerdings muß ein Gemütsmensch gewesen sein: er flüchtete auf den Heuboden, wohin er sich ein paar Schinken, Brot und ein Faß Bier bringen ließ, und harrte der Katastrophe.

Pastor Stiefel erwartete den Weltuntergang inmitten seiner Gemeinde. Aber es geschah nichts. Schließlich merkte die Bevölkerung, daß sie sich für lange Zeit lächerlich gemacht hatte, und so wurde aus dem Weltgericht ein Volksgericht: Pfarrer Stiefel bezog eine fürchterliche Tracht Prügel und wurde nur durch das persönliche Eingreifen Luthers vor Schlimmerem bewahrt.

In Deutschland wurde allein von 1894 bis 1914 sechsmal der Weltuntergang prophezeit!

Wenig anders verhält es sich in der Millionen Mitglieder zählenden Glaubensgemeinschaft der „Zeugen Jehovas", die sich zuvor „Ernste Bibelforscher" genannt hatten. Hier wurde das aus der Bibel errechnete Weltgericht schon mehrmals angekündigt. Anfang der 20er Jahre gab man groß bekannt: „Millionen jetzt lebender Menschen werden nicht sterben! Im Herbst 1925 beginnt das Goldene Zeitalter!" - 15 Jahre später tobte der Zweite Weltkrieg. Gegenwärtig kommt es fast einer Sensation gleich, als im März 1998 die immer wieder als kurz bevorstehend prophezeite

„Schlacht von Harmagedon"

auf unbestimmte Zeit verschoben wurde! Die Glaubensüberzeugung der „Zeugen Jehovas" gemäß sollen alle Menschen ums Leben kommen, die nicht zu ihnen gehören. Jesus Christus sei im Jahre 1914 im Himmel als König der Menschheit inthronisiert worden, und die um jene Zeit Geborenen sollten seine Wiederkunft noch persönlich erleben. Da nunmehr die damalige Generation ausstirbt, entschloß sich die erleuchtete Konzernleitung zur Abänderung der so lange als absolut gewiß geltenden Lehre. Möglicherweise greift man in diesem Zusammenhang auf ein bewährtes Argument zurück: Gott in seiner großen Barmherzigkeit habe noch einmal einen Aufschub gewährt…

Nun ist aber in jenen Bibelstellen, auf die sich solche Weltuntergangspropheten zu stützen pflegen, von einem Weltende gar nicht die Rede, sondern lediglich von der Beendigung des gegenwärtigen Äons, einer Zeitperiode also. Mit anderen Worten: Der Auslauf des bisherigen Weltzustandes, der allgemeinen Verhältnisse, das Untergehen bislang dominierender Machtfaktoren in Politik, Wirtschaft und Kulturleben, und somit der

Beginn eines neuen Zeitalters.

Wir leben zweifellos in einer Art Endzeit, in einer Periode gewaltigen Umbruchs, wo alles Negative zu kulminieren und straflos zu triumphieren scheint. Freunde, wohl fast alle ahnen wir mehr oder weniger deutlich, daß das zunehmend chaotische Weltgeschehen zu einer Katastrophe führen muß! Aber die Welt, d.h. unsere gute Mutter Erde, wird nicht untergehen. Für die meisten Leute freilich wird ihre Welt untergehen; ihre Welt falscher Vorstellungen, ichbezogenen Denkens und Handelns, eine Welt lebens- und gottfeindlicher Machtstrukturen. Diese wird untergehen, und um die ist es nicht schade. Alles schöpfungswidrige Verhalten ist letztlich sowieso und quasi naturgesetzmäßig zum Scheitern verurteilt. Gott sei Dank!

Nun, auch bei als seriös geltenden Sehern sollte man spätestens dann Skepsis walten lassen, wenn bestimmte Daten genannt werden. Die treffen selten zu. Edgar Cayce beispielsweise hatte für 1968/69 das Wiederauftauchen von Atlantis prophezeit. Oder Nostradamus. Dessen Weissagung über den letzten Bourbonensproß, Graf Henri von Paris, lautet: „Dieser König wird die Völker von Dalmatien bis Memel erobern. Er wird Pazifik-Kaiser sein und der Welt für lange Zeit Frieden geben. Seine höchste Machtentfaltung zeigt sich von 1951 bis 1953."

Auch die Aussagen klinisch totgewesener Menschen, denen an der Schwelle zum Jenseits eine allgemeine Zukunftsschau zuteil wurde, sind nicht unbedingt zuverlässig. Zwar deckten sich etliche dieser Aussagen, dennoch blieb die visionär geschaute weltweite Flutkatastrophe 1988 aus. Handelte es sich jedoch um Zukunftsvisionen persönlicher Art, die während des klinisch toten Zustandes auftraten, so trafen sie in der Regel später ein. Hierzu ein Beispiel aus dem Material des US-Sterbeforschers Kenneth Ring:

Eine Frau mit Vornamen Janis hatte in ihrer Vorausschau wahrgenommen, wie sie, in einem Auto sitzend, im Wasser versank. Jahre nach diesem Nah-Todeserlebnis weilte sie besuchsweise bei ihren Eltern und plante, zu einer Brücke zu fahren, um dort zu fotografieren. Drei Tage vor diesem Ausflug aber erwachte sie morgens und rang nach Luft. Dabei erlebte sie eine Wiederholung jener Szene im versinkenden Auto! Daraufhin unterließ sie die geplante Autofahrt zu jener Brücke. Und was geschah? Am Tage des vorgesehenen Ausflugs wurde die Brücke von einem Schiff gerammt. Mehrere Autos und ein Bus stürzten in die Fluten! Die in Todesnähe vorausgesehene Situation wäre demnach eingetreten, wenn Janis nichts unternommen hätte, um sie zu vermeiden.

In anderen Fällen hingegen nutzten alle Vorkehrungen zur Vermeidung des vorausgesagten Unglücks nichts. Als Beispiel folgende Begebenheit:

Eine Mutter hörte nachts im Schlaf eine Stimme flüstern: „Morgen um 14 Uhr wird deine Tochter erschlagen werden!" Das beunruhigte die Frau verständlicherweise sehr. Das Ehepaar beschloß, das Kind, trotz Protestes, ins Wohnzimmer zu sperren, wo es schmollend auf dem Sofa Platz und ein Buch zur Hand nahm. Die Eltern patrouillierten derweil ums Haus. Als Schlag 14 Uhr nichts passierte, atmete die Mutter auf. Doch plötzlich aus dem Haus ein durchdringender Schrei! Als man ins Wohnzimmer stürzte, lag die Tochter in ihrem Blut tot am Boden! Auf unerklärliche Weise hatte sich ein über dem Sofa hängendes schweres Ölgemälde vom Haken gelöst und das Mädel erschlagen.

Das neue Bewußtsein

In fast allen vertrauenswürdigen Prophezeiungen ist die Rede von einer grundlegenden Veränderung der Verhältnisse auf unserem Globus. Die damit verbundene Neugestaltung der Verhältnisse soll sich auch in seelisch-geistiger Hinsicht auswirken. Der stigmatisierte Kapuzinerpater Pio sagte: „Wie wenige Menschen sehen sich vor auf die ungeheure Verwandlung, die sie werden durchmachen müssen! Viele werden wie verdorrtes Gras sein, und die Ruchlosen werden zu Boden geschmettert, damit die übrigen neu beginnen können."

P.O. Hesse spricht in seinem Buch „Der Jüngste Tag" von einer „manasischen Vibration", die ab der großen Umwälzung die lebensbestimmende Frequenz darstellen wird. Und diese seelisch-geistige Frequenz, die allein durch betätigte Liebe zu erringen ist, kann und muß schon jetzt erreicht werden, wenn man das hier angedeutete umwälzende Geschehen unbeschadet überstehen will.

Der Begriff „Manasische Vibration" scheint mir am besten definiert und vorstellbar als „höhergeistige Energieschwingung". Und wer die dann nicht haben wird, der geht zugrunde. Unser Körper wird dann nämlich auf ein verändertes magnetisches Feld reagieren müssen. Es hat den Anschein, als ob sich 1. Korinther 15,51 noch bewahrheiten wird, wenn es heißt: „Wir werden nicht alle entschlafen, aber wir werden alle verwandelt werden. Und dies plötzlich, zur Zeit der letzten Posaune".

In einem aus hoher jenseitiger Ebene stammenden Kommentar zum Lukas-Evangelium, veröffentlicht in Budapest 1878, heißt es, daß zu jenem Zeitpunkt massenhaft Menschen hinweggerafft werden, um die Erde zu reinigen:

„Einige Erdstriche aber werden verschont bleiben und - bis auf kleinere Erschütterungen und anomale Naturerscheinungen - ihren Bewohnern weiteren Schutz gewähren; und diese werden den auserwählten Samen bilden für ein neues Geschlecht, in welches sich nur gute, fortschrittliche Geister einverleiben werden, da den im (spirituellen) Fortschritt zurückgeblieben Geistern, zur Einverleibung auf diesem fortgeschrittenen Planeten die Anziehungskraft fehlen wird."

Aus dem Laufe unserer Sonne, die rund alle 2000 Jahre in ein neues Tierkreiszeichen tritt (und Tierkreiszeichen sind weiter nichts als Symbole für kosmische Kraftfelder), ergibt sich die uralte Einteilung unserer irdischen „Zeitalter", die jeweils von anderen kosmischen Kräften ihr Gepräge erhalten und damit einen neuen Entwicklungsabschnitt der Menschheit gestalten. Ein Wissender namens Kahir bemerkte hierzu sehr richtig: „Wir stehen gegenwärtig an einem solchen

Übergangszeitpunkt,

der uns vom Fische-Zeitalter - an dessen Beginn Jesus wirkte, und an dessen Ende Luzifer zu obsiegen scheint - in das Zeitalter des Wassermanns führt, das erst die wahren Früchte der Lehre Christi wird ausreifen lassen. Das zunehmende Chaos in unserer Gegenwart ist das gesetzliche Ergebnis eines Kampfes des Alte, Überlebten, gegen das unaufhaltsam herandringende Neue einer fühlbaren Vergeistigung. Und es wird, wie jeder Wechsel, durch die schweren Krisen der Übergangszeit klar gekennzeichnet."

Eben das scheinen die personifizierten negativen Kräfte ganz genau zu wissen. Deshalb versuchen sie mit allen Mitteln der Macht und Beeinflussung die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß (wie auch in meinem Buch „Licht und Schatten der Esoterik" aufgezeigt) das neue Zeitalter ein luziferisch geprägtes wird.

Hat dies alles mit Schwarzseherei zu tun? Nicht im geringsten. Wir Menschen sollten nur endlich zu erkennen versuchen, wer wir eigentlich sind und welchen Zweck unser Erdendasein hat. Denn wir sind nicht bloß die

Selbstgestalter unseres Schicksals

über das Grab hinaus, sondern ebenso Mitgestalter der allgemeinen Zukunft. Das Phänomen der Prophetie zeigt uns, daß manchmal der Schleier der Zukunft ein wenig gelüftet werden kann, und es dann an uns selber liegt, für künftige Folgen die rechten Ursachen zu legen.

Von den meisten Prophezeiungen sollten wir uns allerdings nicht beeindrucken lassen, denn sie sind lediglich astralen Ursprungs; weiter reiht der Blick von Medien und Hellsehern nur selten. Man erkennt das, wie Kahir schrieb, an „den unverbindlichen und für uns Diesseitige schon selbstverständlichen Grundwahrheiten und ethischen Lehren. Viel Spreu und wenig Weizen, wenn man das alles so liest. Würden die Menschen mehr geistiges Fingerspitzengefühl besitzen, so könnten sie aus den deutlichen Zeichen der Zeit manches vorauserkennen, ohne Hellseher befragen zu müssen. Am Jahresschluß sind die oft so gläubig aufgenommen, jedoch nie eingetroffenen Prophezeiungen vom Jahresbeginn bereits vergessen, und von diesem kurzen Gedächtnis lebt eben das Völkchen der beruflichen Hell- und Schwarzseher. Diese Magier von Publikums Gnaden" meint Kahir, „sind wie die Sterne der Astrologie: sie machen (das Ohr des Lesers) geneigt, aber sie zwingen nicht (zu glauben)."

Wir sollten da eher den Rat jenes Freundes befolgen, der sich „der Eremit" nannte. Er empfahl als sichersten Schutz in allem, was da kommen mag,

ein starkes Gottvertrauen

und eine saubere Charakterhaltung. Dieser ehemals deutsche Offizier, der im fernen Indien - völlig unerwartet - in den Genuß einer intensiven spirituellen Schulung kam, sagte, wir sollten uns durch „Prophezeiungen irgendwelcher Art nicht aus dem Gleichgewicht werfen lassen; denn Prophezeiungen wirken nur auf Menschen, die weder Vertrauen zu sich selbst, noch zu einem höchsten Wesen, zu Gott haben." Und weiter sagte der Eremit:

„Laßt euch nicht bangemachen durch Ankündigungen von bevorstehenden Katastrophen. Solche werden zwar kommen müssen, aber Ihr, die Ihr Euren Gott gefunden habt und ihn innerlich erlebt, Ihr braucht nichts zu fürchten! Entweder werdet Ihr bei solchen Katastrophen so abberufen, daß Ihr die Schrecknisse gar nicht erst kennenlernt, oder aber Ihr seid so geschützt, daß alle Schrecknisse Euch nichts anhaben können!"

„Was Ihr daher nur zu tun habt", versichert dieser Eingeweihte, „ist: Glaubt an Gott! - Nein mehr: Vertraut auf Gott! - Nein, noch mehr: Erlebt Euren Gott, und nichts kann Euch geschehen!"

Als Bestätigung hierfür sei das Erlebnis einer mir bekannten Dame wiedergegeben, die sie während des 2. Weltkrieges hatte:

„Es war in einer kalten Oktobernacht 1944. Über Hamburg tobte ein schwere Bombenangriff. Ich, ein damals 12jähriges Mädchen, stand am Fenster und schaute hinaus in das Inferno. Es war so sinnlos geworden, in den Luftschutzkeller zu gehen, der für viele Menschen zur Todesfalle wurde. Die mondlose Nacht war hell erleuchtet von Scheinwerfern und Feuerschein, dazu der Lärm der Bombendetonationen und der Flak (Fliegerabwehrkanonen).

Nicht weit von uns stand ein großes Mietshaus vom Keller bis zum Dachboden in Flammen. Ich hatte Angst, nichts als Todesangst, und lehnte zitternd an der Fensterscheibe.

Aus dieser Angst heraus begann ich das Vaterunser zu beten, wieder und wieder. Es betete gleichsam aus mir heraus. Wie oft ich es wiederholt habe, weiß ich nicht. Aber ganz unmerklich verschwand der Feuerschein, der Lärm ebbte ab und die ganze Umgebung wurde allmählich von einem immer intensiver werdenden kühlen blauen Licht erhellt und in eine ganz unwirkliche beruhigende Stille gehüllt - ein großes Schweigen!

Wie lange dieser Zustand dauerte, weiß ich nicht, denn jede Zeitvorstellung hatte aufgehört. Ebenso allmählich, wie es entstanden war, verschwand das Licht wieder, es herrschte wieder Bombenlärm und Feuer. Doch auch die Angst war verschwunden, und ich konnte ruhig in das furchtbare Geschehen schauen. Und so blieb es bis zum Ende des Krieges.

Was ich damals erlebt hatte, verstand ich nicht, aber ich fühlte mich behütet von einer höheren Macht. Es war kein Traum, denn ich war hellwach und ahnte bewußt, daß das, was ich schauen durfte, ein Schimmer einer wirklicheren Wirklichkeit war, als die Wirklichkeit der Bombenangriffe.

Ich konnte später nicht darüber sprechen, denn ich fürchtete ausgelacht zu werden, weil ich gar nicht das hätte ausdrücken können, was ich erlebt hatte. Doch war dieses Erlebnis so intensiv, das mir heute noch ganz deutlich in der Erinnerung ist."

Wendezeit